Wissenswertes über Glas

 

Farben im Glas

Wie kommen eigentlich die Farben ins Glas?

 

Grundsätzlich wird das Glas durch das Hinzufügen von Metallen, bzw. Metalloxiden gefärbt.

Bei der Ionenfärbung wird eine Farbe im Rohmaterial erzeugt, die ich beim Bearbeiten nicht mehr beeinflussen kann. Hellblaues Glas bleibt zum Beispiel hellblau - egal, wie ich es schmelze.

Bei der Kolloidfärbung lässt sich die Farbe beeinflussen, je nachdem, wie ich das Glas tempere, also wie ich es thermisch behandle, und je nach dem, in welchem Bereich meiner Flamme ich das tue. Damit tut sich die Welt der Anlauf- und Reduktions-Farben auf, ein unendlicher Spielplatz der Farben.

Vielleicht erinnert ihr euch ja an das Beispiel mit dem roten Glas, das ich in der Sendung "Wir in Bayern" erläutert habe? Im unbearbeiteten Zustand sieht es eher gelblich aus. Wenn ich es schaffe, dass es im heißen Zustand dann schwarz aussieht, dann weiß ich, dass es sich beim Abkühlen in das gewünschte Rot verwandelt.

Da gibt es noch ein paar besondere Beispiele:

Klares Glas ist gar nicht so selbstverständlich wie wir denken! Das muss recht aufwändig entfärbt werden. Früher wurde dafür hauptsächlich Manganoxid verwendet, die sogenannte Glasmacherseife.

Glas mit Uran-Anteil kann tatsächlich fluoreszieren. Wegen der Radioaktivität gibt es dieses Glas aber (zumindest offiziell...) nicht mehr zu erwerben.

Und Rubinglas, auch bekannt als Rubino Oro, das kennt ihr auch schon aus meiner Kollektion Transparentes Gold. Nur echtes Gold kann im Glas diesen kräftigen Magenta-Ton erzeugen.

Stabilität des Glases

Glasschmuck ist schön, hält aber nicht viel aus? Das stimmt so nicht ganz. 

Neben der Form des Glases und der Wahl der Glasart (Glas ist nicht gleich Glas!) hängt die Stabilität vor allem von einem Faktor ab: Dem gezielten Abkühlprozess!

Das liegt daran, dass Glas eine sogenannte amorphe Molekülstruktur hat. Also, im Gegensatz zum Metall mit seinem streng strukturierten Gitter, liegen im Glas die Moleküle wie verrückte, dreidimensionale Puzzleteile vor (siehe Skizze).

Je wärmer das Glas wird, desto mehr schwingen diese Moleküle, bis sie sich ganz von einander lösen. Dann fließt das Glas.

Wenn das Glas wieder abkühlt, werden die Moleküle wieder träger. Und hier gibt es eine ganz magische Temperatur: die Entspannungstemperatur!(siehe Entspannungskurve). Dort schwingen die Moleküle nur noch so wenig, dass das Glas bereits seine Form behält, aber noch so viel, dass die Moleküle sich nach und nach aneinander schmiegen können.

Und je länger sich die Moleküle aneinander kuscheln, desto mehr halten sie zusammen. Das kennen wir Menschen ja auch, nicht wahr?

Diese Temperatur wird eine paar Stunden gehalten, damit die Moleküle dafür genug Zeit haben.

Auf den weiteren beiden Fotos seht ihr die Enden meiner Perlenstäbe, wie sie aus der Öffnung meines Ofens herausschauen. Die Perlen haben es gerade so richtig schön gemütlich warm, wobei sie bei 442°C schon langsam zur Raumtemperatur zurück kommen.

Zusammensetzung des Glases

Woraus besteht eigentlich Glas?

Die Zutaten des Glases sind in drei Gruppen einzuteilen: Netzwerkbildner, Flussmittel und Stabilisatoren.

Die erste Gruppe, die Netzwerkbildner, sorgen für die typische Molekülstruktur des Glases, also, dass Glas überhaupt Glas sein kann. In den meisten Fällen ist das Quarzsand und der macht auch mit Abstand den größten Teil des sogenannten Glasgemenges aus.

Und dann gibt es da die zwei Gegenspieler der Flussmittel und der Stabilisatoren. Flussmittel haben im Glas die Aufgabe, den Schmelzbereich des Glases zu senken und es gut verarbeitbar zu machen. Die Stabilisatoren wiederum sorgen dann dafür, dass das Glas trotzdem schön beständig und stabil sein kann.

Ich stelle mir das immer so vor wie eine Waage: Das Grundgerüst gibt der Quarzsand. Flussmittel und Stabilisatoren gleichen sich dann gegenseitig aus.

Das klingt jetzt ein bisschen wie Brotbacken, in der Tat ist es aber eine ganz hohe Kunst, Glas herzustellen und die Rezepte werden streng geheim von Generation zu Generation weitergegeben.

Das ist übrigens der Grund, warum es im Mittelalter den Glasmachern Venedigs sogar auf die Todesstrafe verboten war, ihre Glasmacherinsel Murano zu verlassen - damit sie die Rezepte nicht austratschen können!

Für Anschauungszwecke habe ich hier übrigens nicht die tatsächlichen Zutaten auf meinem Arbeitstisch aufgehäuft, sondern ich habe stattdessen Glasgranulat und Kieselsteine verwendet.

Römische Glasperlen

 

In der Video-Reihe "Lieblingsobjekt" des Kempten Museums im Zumsteinhaus durfte ich die römischen Glasperlen vorstellen, die in den Ausgrabungen im Archäologischen Park Cambodunum, Kempten, gefunden wurden. 

Die Perlen stammen aus der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts nach Christus und wurden am Fundort Keckwiese entdeckt. Dabei handelt es sich um drei unterschiedliche Glasperlenarten. Was es mit den Mustern auf sich hat und warum diese Perlen hauptsächlich blau gefärbt sind, das können Sie sich in dem Video anhören. 

Auf YouTube (Kempten-Museum) finden Sie das Video auch mit Untertitel.

Weitere Informationen zum Kempten Museum und zum Archäologischen Park Kempten finden Sie unter: 

https://kempten-museum.de/

https://www.apc-kempten.de/

Römische Glasperlen-Öfen

 

Von der Technik, die die Römer höchstwahrscheinlich zum Schmelzen des Glases verwendet haben, zu sprechen, ist eine Sache. Etwas ganz Anderes ist es aber, auf Ausgrabungen basierende Lehmöfen nachzubauen und auch in Betrieb zu nehmen. Die Archäolog:innen des Archäologischen Park Cambodunum, der Spezialist Frank Wiesenberg und ich haben zusammen ein Projekt auf die Beine gestellt, in dem wir genau das tun: Glas verarbeiten wie die Römer.

 

In der folgenden Bildergalerie möchte ich mit Ihnen ein paar Eindrücke aus dem Bau-Prozess, als auch aus der Inbetriebnahme der ersten zwei Glasperlenöfen teilen. 

Ich finde es erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln es doch möglich sein kann, diese enormen Temperaturen zu erzeugen (bis knapp über 1000°C) und mit welch einfachen Mitteln die Römer bereits feinstes Kunsthandwerk erzeugen konnten - auch, wenn der Bau des Ofens mitsamt der Aufbereitung des Lehms, den wir erst noch aufbereiteten, doch erstaunlich viel Zeit in Anspruch nahm.

Das Glas mit dieser ursprünglichen Technik zu verarbeiten war für mich eine große Herausforderung, siehe Fotos der Perlen. Hinsichtlich der Farbe und der Muster habe ich mich dabei größtenteils an römische Glasperlenfunde gehalten. Bis zu weiteren Glasofenprojekten 2022 werde ich wohl noch fleißig üben dürfen! 

Weitere Informationen zu Frank Wiesenberg, zum Kempten Museum und zum Archäologischen Park Kempten finden Sie unter: 

http://www.frankwiesenberg.de/

https://kempten-museum.de/

https://www.apc-kempten.de/